Tagesprogramm
08:15Uhr
Frühstück
9:15 – 9:45Uhr
Polizeivertrauen und Kriminalitätsfurcht: Reziproke Effekte im Vergleich von CLPM und RICLPM
Jasper Bendler (Universität Münster) & Helmut Hirtenlehner (Universität Linz)
Die wechselseitige Beziehung zwischen Polizeivertrauen und Kriminalitätsfurcht ist seit Langem ein zentrales Forschungsthema in der Kriminologie. Theoretisch interessiert vor allem, ob Vertrauen in die Polizei Ängste reduziert und/oder ob Furcht das Vertrauen schwächt. Methodisch stellt sich dabei die Frage nach dem geeigneten Modellansatz zur Untersuchung reziproker Effekte. Das klassische Cross-Lagged-Panel-Modell (CLPM) erlaubt die Schätzung solcher Strukturen, vermischt jedoch stabile interindividuelle Unterschiede mit intraindividueller Dynamik. Somit sind Cross-Lagged-Effekte nur unter restriktiven Annahmen unverzerrt interpretierbar. Das Random Intercept Cross-Lagged Panel Model (RI-CLPM; Hamaker et al., 2015) löst dieses Problem, indem es die Varianz in einen zeitinvarianten Between-Person- und einen dynamischen Within-Person-Anteil zerlegt und so stabile Drittvariablen kontrolliert. 11 Obwohl sich das RI-CLPM in vielen Bereichen als neuer Standard etabliert hat, wird zunehmend diskutiert, ob die Interpretation der Cross-Lagged-Effekte in diesem mit den inhaltlich zu beantwortenden Fragen immer übereinstimmt. Der Vortrag adressiert diese Frage anhand von Paneldaten zu Polizeivertrauen und Kriminalitätsfurcht. Dazu werden sowohl das CLPM als auch das RI-CLPM geschätzt und verglichen, um die methodischen und inhaltlichen Implikationen der Modellwahl zu verdeutlichen und deren Konsequenzen für theoretische und methodische Schlussfolgerungen zu diskutieren. Auf einer allgemeineren Ebene möchten wir damit auch eine Diskussion über die Interpretation von Effekten in Lagged Dependent Variable Models anregen.
9:45 – 10:15Uhr
Forschungsprojekt „RISE“ (= Resozialisierung und Integration durch Schulung und Erwerbstätigkeit) - erste Ergebnisse
Caroline M. Meyer & Mark Stemmler (FAU Erlangen-Nürnberg)
Seit Beginn dieses Jahres erforscht die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) unter der Leitung von Prof. Dr. Mark Stemmler in dem Projekt „RISE“, die berufliche Entwicklung von männlichen Strafgefangenen nach ihrer Entlassung. Das vom Bayerischen Staatsministerium der Justiz geförderte Projekt kooperiert mit dem Kriminologischen Dienst in Erlangen (Leiter: Dr. Johann Endres) und dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg (Prof. Dr. Malte Reichelt und Prof. Dr. Martin Abraham). Dieses Forschungsprojekt orientiert sich an den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG), das in seinem Urteil vom 20. Juni 2023 (2BvR166/16; 2BvR1683/17) die Bedeutung der Gefangenenarbeit als Forschungsschwerpunkt betont hat. Die Studie untersucht die Gefangenen in Hinblick auf verschiedene Aspekte von Arbeit z.B. die latenten und manifesten Funktionen der Arbeit, die Ausbildung, sowie die bisherige berufliche Historie, als auch die in Haft gemachten Erfahrungen in Bezug auf Arbeit, Ausbildung, sowie andere (qualifizierende Tätigkeiten). Das Projekt ist längsschnittlich ausgelegt und läuft über zwei Jahre (es sind zwei Datenerhebungen in Freiheit vorgesehen).
10:15 – 11:00Uhr
Flexible Visualisierungen von Rasch-Modellen: Das RMX-Paket
Rainer W. Alexandrowicz & Milica Kabic (Universität Klagenfurt)
Auswertungen auf Basis von Item-Response-Modellen (“Rasch-Modelle”) bedienen sich häufig der Darstellung von Person-Item-Maps (PI-Maps; auch: Wright-Maps). Diese Diagramme nutzen die gemeinsame Skala von Item- und Personenparametern, um das alignment der beiden Parametergruppen darzustellen. Damit lässt sich intuitiv nachvollziehen, inwiefern die Items in jenen Bereichen des latenten Kontinuums messen, in denen sich auch die Personenparameter befinden. PI-Maps stellen klassisch die Verteilung der Personenparametern den Punkten der Item- (im dichotomen Fall) bzw. Schwellenparameter (im polytomen Fall) gegenüber. Das neu entwickelte RMX-Paket stellt die Funktion plotPIccc zur Verfügung, die nicht nur die Itemparameter in Form von Punkten darstellt, sondern für jedes Item wahlweise die Item- bzw. Kategoriencharakteristikkurven oder die Item- bzw. Kategorieninformationskurven. Weiters ermöglicht die Funktion die Darstellung der Testinformationskurve sowie des Standardfehlers der Personenparameter. Darüber hinaus unterstützt die Funktion alle Outputs der Big5-IRT-Pakete in R (eRm, psychotools, mirt, TAM und ltm). Der Vortrag zeigt die Anwendungsmöglichkeiten und Darstellungsvarianten des Pakets.
11:00 Uhr
Kaffeepause
11:30 – 12:00 Uhr
Wirksamkeit politischer Bildungsarbeit in der Radikalisierungsprävention: Evaluation und Conjoint-Analysen im Projekt Dis_Ident
Svenja Plannerer, Sophie Sailer, Konstanze Arnoldussen, Emily Kratsch & Mark Stemmler (FAU Erlangen-Nürnberg)
Radikalisierungsprozesse im Jugendalter stellen eine zunehmende gesellschaftliche Herausforderung dar. Ein zentrales Instrument zur Prävention extremistischer Tendenzen stellt dabei politische Bildungsarbeit dar. Allerdings mangelt es bislang an systematischen Erkenntnissen über die konkrete Wirksamkeit und die zugrundeliegenden Wirkmechanismen. Vor diesem Hintergrund setzt das Verbundprojekt Dis_Ident an, welches auf die Prävention von israelbezogenem Antisemitismus und islamistisch geprägten Denkmustern bei Jugendlichen abzielt. Das hier vorgestellte Teilprojekt untersucht die Wirksamkeit präventiver Bildungsarbeit. Im Fokus der Untersuchung steht die systematische Evaluation der MINDprevention- Workshops. Diese Workshops zielen darauf ab, Vorurteile abzubauen und Veränderungen in der sozialen Wahrnehmung anzustoßen, um auf diese Weise zu einer nachhaltigen Radikalisierungsprävention beizutragen. Hierzu sollen Konstrukte wie Sexismus und Diskriminierungserfahrungen näher beleuchtet werden. Das Projekt befindet sich derzeit in der Pilotphase, sodass zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine verwertbaren Ergebnisse vorliegen. Ziel der Projektvorstellung ist die Skizzierung des theoretisch-methodischen Vorgehens sowie die Erläuterung des Einsatzes von Conjoint- Analysen zur Erfassung impliziter Einstellungen von Antisemitismus. Die zuerwartenden Erkenntnisse sollen eine evidenzbasierte Weiterentwicklung politischer Bildungsangebote und Radikalisierungsprävention ermöglichen. Das Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert.
13:00Uhr
Mittagessen
14:00 – 15:00Uhr
Planungen für die 31. AKA (11.11.-13.11.2025)
15:30Uhr
Abreise